Kreuzkirche Wolfsburg

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Ummauerte Zufluchtstätte:

Die Architektur der Kreuzkirche

“Kirche als Bauwerk ist ummauerte Zufluchtstätte aus dem täglichen Allerlei des menschlichen Daseins; sie ist die christliche Oase in dem baulichen Durcheinander des heutigen Massenmenschen - eine Oase, die nicht für ein kurzfristiges Bedürfnis des Menschen, wie etwa eine Betriebs- oder Wohnstätte, sondern für mehrere Generationen und Jahrhunderte Bestand haben soll. Das Zeitlose, nicht stilistisch Zeitgebundene, ist die Grundidee des sakralen Raumes und Bauwerkes.” (1)

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Gustav Gsaenger, der Architekt der Kreuzkirche, hatte klare Vorstellungen davon, was eine Kirche ausmachen sollte: In erster Linie sollte sie “sichtbarer geistiger Mittelpunkt für eine Gemeinde” (2) sein, alle anderen Funktionen sollten sich dem unterordnen. Bei der Entscheidung für den Bauplatz forderte er besondere Sorgfalt: “Die Kirche als Refugium aus dem Alltag braucht einen Platz, der tatsächlich für ein Refugium geeignet ist.” (3)

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Zu Einzelheiten seines Werks äußerte sich Gsaenger kaum. Theoretische Erörterungen waren ihm offenbar nicht wichtig, die Gebäude sollten aus sich selbst heraus wirken. Gerade ihre charakteristische Form lädt immer wieder zu Interpretationen ein. Viele Menschen fühlen sich vom Grundriss der Kreuzkirche Wolfsburg an ein menschliches Herz erinnert. Über die ähnlich konstruierte Friedenskirche Dachau ist im Internet zu lesen: “Der Grundriss der Kirche gleicht einem Ei, in dessen Spitze sich der Altarraum befindet.”* In der ebenfalls von Gsaenger entworfenen Kreuzkirche Hirschegg (Kleinwalsertal) sah ein Pfarrer “ein Oval, etwa wie es zwei Hände bilden, wenn sie sich schützend als eine Höhlung um einen verirrten Vogel herumlegen.”**

eingang

Diese Symbolik war, darf man der Internetseite zur Friedenskirche Dachau Glauben schenken, Intention bei der Gestaltung des Eingangs: “Das vorgezogene Überdach beschützt die Kommenden und behütet sie wie das Nest den Vogel.”
Auf diesem Bild sehen Sie den Haupteingang der Kreuzkirche Wolfsburg.

kandelaber

Der im Jahr 1900 geborene Gustav Gsaenger verstand sich als Baukünstler, das Ergebnis seines Schaffens als Gesamtkunstwerk. Der Architekt war daher auf jedes Detail bedacht. Die Wandleuchten beispielsweise, der große Deckenkandelaber und die Altarkerzenhalter stammen ebenso aus der Feder des Linkshänders wie das Taufbecken und die Taufkanne. Wer sich mit diesem Wissen umsieht, bekommt bald ein Gefühl dafür, wie sehr die Einzelheiten vom Türgriff bis zum Altarkreuz miteinander und mit der Gestaltung der Fassade und des Innenraums harmonieren. Viele dieser Elemente lassen sich bei Besuchen anderer Gsaenger-Kirchen in ähnlicher Form wiederentdecken. Eine offenbar einmalige Besonderheit der Kreuzkirche Wolfsburg jedoch ist der gezielte und großzügige Einsatz der Farbe Gold.

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Im Kirchenbau, der einen erheblichen Teil seiner Arbeit ausmachte, arbeitete Gustav Gsaenger mehrmals mit seiner Tochter Angela zusammen. In Wolfsburg stammen das Altarbild, die Fenster, die Paramente und ein im Gemeindehaus untergebrachter Flügelaltar von Angela Gsaenger. Auch das große Ölgemälde im Gemeindesaal, das den Einzug in Jerusalem darstellt, ist ein Werk Angela Gsaengers. Die Innenraumperspektive, die Sie hier sehen, wurde von ihr unter Einbeziehung eines Entwurfs ihres Vaters gezeichnet. Wir verdanken dieses Bild und alle anderen Abbildungen von Entwürfen dem Architekturmuseum der TU München, wo Gsaenger einst studierte. Heute wird dort sein Nachlass verwaltet.

gsaenger

Seine geschwungene Linienführung und seine Vorliebe für das Barock, dessen “Schwung und Theatralik seinem Wesen sehr nahe kam” (4) brachten Gustav Gsaenger den Spitznamen “Schwunggustl” ein. Er starb 1989 in seinem Einfamilienhaus in München-Obermenzing, seinem ersten ausgeführten Bau - finanziell ermöglicht durch einen gewonnenen Kirchenbauwettwerb.

aussen

Ein paar Zahlen:

Grundfläche: 510 m2
Länge: 25 m
Breite: 23 m
Umfang: 85 m
Höhe innen: 13 m
Höhe außen: 21 m
Dachfläche der Kirche: 1000 m2
Höhe des Kirchturms: 50 m
Sitzplätze: ca. 620 Plätze + ca. 80 Notsitze

Gustav Gsaenger in der freien Enzyklopädie Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gsaenger

Architekturmuseum der TU München: http://www.architekturmuseum.de

*Friedenskirche Dachau:
http://www.kirchenundkapellen.de/kirchen/dah-frieden.php

**Kreuzkirche Hirschegg: http://evangkreuzkirche-kleinwals.magix.net/
http://www.bayern-evangelisch.de/web/themenspezial_URLAUB_ssehenswerte_Kirchen_augsburg.php

 

Quellen:
(1) Gustav Gsaenger: Die Kleinkirche als architektonische Aufgabe. In: Walter Heyer: Evangelische Kirchenbautagung Rummelsberg 1951, Berlin 1951, S. 138
(2) ebd., S. 139
(3) ebd.
(4) Angela Gsaenger in Antina Gaenßler: Gustav Gsaenger 1900 - 1989.
In: Detail 3/1992, S. 229

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